Brüssel stoppt Thunfischräuber


In einer konzertierten Aktion werden die Mittelmeeranrainerstaaten der EU auch in diesem Jahr wieder die Einhaltung der Fangquoten für den Bluefin Tuna oder Roten Thunfisch kontrollieren. Die Fischart ist im Mittelmeer akut im Bestand gefährdet.

Von Roderick Agius, Malta

Mit einem Fangverbot für die vom Aussterben bedrohte Thunfischart Bluefin oder auch Roter Thunfisch haben sich die Mittelmeerstaaten der EU in einer Konferenz der Vereinten Nationen nicht durchsetzen können. Jetzt wollen sie alles daran setzen, durch strengste Überwachung des Thunfischfangs im Mittelmeer einer Ausrottung der Art vorzubeugen. Die verringerten Fangquoten werden von vielen Fischern nicht eingehalten, da auf dem japanischen Markt hohe Preise für den Mittelmeer-Thunfisch locken.

Überwachung zu Land, zur See, aus der Luft

Gegen die illegale Fischerei wird die Europäische Union in diesem Jahr ihre bisher grösste Überwachungsaktion beginnen. Dazu werden die Kräfte von Malta, Zypern, Frankreich, Griechenland, Italien und Spanien zusammengefasst. Sie stellen Patrouillenboote, Überwachungsflugzeuge und Inspektoren, die an Bord der Fischfangschiffe gehen und vor Ort prüfen. Die Kontrolle erstreckt sich auf alle Fischkutter aus EU-Staaten aber auch aus Drittländern.

Zum dritten Mal unternimmt die EU diese Kontrolloperation. In diesem Jahr wird sie jedoch umfangreicher sein als zuvor. „Wir haben uns lange vorbereitet und werden unsere Anstrengungen in der diesjährigen Mission verdreifachen”, sagte ein Sprecher der Europäischen Kommission. „Wir werden die Fischer zu Land, zur See und aus der Luft beobachten und sicherstellen, dass kein illegaler Fang stattfindet.”

Fangquoten erneut herabgesetzt

Erstmals wird die EU in diesem Jahr ein eigenes Schiff für Überwachungsfahrten chartern. Zusammen mit den Einsätzen der Mitgliedsländer werden dadurch mehr Kontrollen in den bekannten Fangzonen möglich. Die Europäische Union ist auch bereit, anderen Mittelmeer-Anrainerstaaten bei der Ausgestaltung ihrer Kontrollmöglichkeiten zu helfen. Im Grunde sind alle Staaten am Mittelmeer daran interessiert, den Roten Thunfisch nicht aussterben zu lassen. Problem ist die ungezügelte Nachfrage aus Japan, das 80 Prozent des Mittelmeer-Thunfischs zu sehr hohen Preisen aufkauft.

Für die anderen Mittelmeerstaaten hatte Monaco bei der UN-Konferenz über den Schutz gefährdeter Tierarten den Antrag auf vollständiges Fangverbot eingebracht. Trotz Unterstützung der gesamten EU konnte sich Japan durchsetzen, sodass es bei – verringerten – Fangquoten bleibt. Die Quoten sind reduziert worden. So darf beispielsweise Malta in 2010 nur noch 161 Tonnen Roten Thunfisch oder Bluefin aus dem Mittelmeer holen, weniger als die Hälfte der Quote von 2006.

Dokumentation vom Fang bis zum Teller

Im April haben das Europaparlament und der EU-Ministerrat ein neues System der Zertifizierung der auf dem Markt angebotenen „Bluefin” Thunfischfänge beschlossen. In allen EU-Mitgliedsländern wird jetzt ein Nachweis über alle Schritte, vom Fang über eventuelle Käfighaltung bis zum Schlachten, Teilen und Vermarkten verlangt. Dadurch soll illegalen Fischern das Handwerk gelegt werden, die die Fangquoten unterlaufen und den Bestand im Mittelmeer überfischen. Der Nachweis muss auch für Exporte ins Nicht-EU-Ausland erbracht werden.

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