Die Faust des Präsidenten


Rumäniens Basescu ist für seine vulgäre Ausdrucksweise bekannt. Auch die Schlagkraft seiner Argumente erregt immer wieder das Land. Nun hat sie ein Rechtsanwalt aus Constanta zu spüren bekommen. Der Präsident lässt dementieren.

Von Denis Grigorescu, Bukarest

Dan Chitic wird diesen Samstag so schnell nicht vergessen. Am frühen Morgen sah er Rumäniens Präsidenten Traian Basescu aus dem Restaurant Ciresica in der Ferienanlage Neptun am Schwarzen Meer kommen. Der Rechtsanwalt aus der Hafenstadt Constanta machte dabei aus seiner Haltung gegenüber dem Präsidenten kein Geheimnis. „Schäme Dich“, rief er ihm zu. Der Präsident wandte sich ihm zu. „Warum schreist Du mich an, Du Stinktier?“ Er ging auf den Rechtsanwalt zu und schlug ihm ins Gesicht. Chitic wurde von Leibwächtern des Präsidenten gehindert zu reagieren. Und schon fuhr der BMW mit dem Präsidenten ab.

Präsident lässt dementieren

Ausser der Frau Chitics will niemand den Zwischenfall bestätigen, auch wenn ganz Rumänien inzwischen darüber in der Online-Zeitung Cotidianul lesen kann. Die Präsidentschaftskanzlei veröffentlichte ein Dementi. „Eine aggressive Person hat den Präsidenten Rumäniens beschimpft. Aber es ist nicht zu einem physischen Kontakt zwischen dieser Person und dem Präsidenten gekommen.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Basescu zugeschlagen hat – und dass er es zu leugnen versucht hat. Im Wahlkampf 2004 schlug er ein Kind. Die Berichte darüber gingen durch das Land, der Präsidentschaftskandidat dementierte allerdings. Erst im November 2009, kurz vor dem nächsten Präsidentschaftswahlkampf, kam ein Video zum Vorschein, das den Zwischenfall bestätigte. Die Aufnahmen änderten aber nichts an der Beliebtheit Basescus im Land. Am 6. Dezember wurde er für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.

Lügner, Arschlöcher, Zigeuner

Rumäniens Bürger sind an die wenig zurückhaltende Ausdrucksweise ihres Präsidenten gewöhnt. Im Juni dieses Jahres beschwerten sich Bewohner des Dorfes Saucesti, das von der Flut betroffen war, über den Diebstahl von Hilfsgeldern. Der Präsident nannte sie Lügner, denn es sei nie Geld verteilt worden. Auch Journalisten werden immer wieder Ziel von Verbalattacken. So nannte Basescu im Oktober 2006 einen Journalisten „Arschloch“. Als er nach dem Grund gefragt wurde, sagte Basescu nur: „Er hat es nicht anders verdient.“

Einmal hat sich der Präsident sogar entschuldigen müssen. Im Mai 2007 filmte ihn die Fernsehjournalistin Andreea Pana mit ihrem Mobiltelefon, wie die Basescus einkaufen gingen. „He, du dumme Kuh. Hast du heute nichts anderes zu tun?“, sagte

Basescu. Er nahm ihr das Telefon aus der Hand und steckte es in die eigene Tasche. Dumm nur, dass er vergass, es auszuschalten. Denn die Aufnahme lief noch, als er zu seiner Frau sagte: „Das war eine aggressive verlauste Zigeunerin.“ Am nächsten Tag wurde das Telefon zurückgegeben – und die Aufnahme öffentlich. Basescus Sprecher erklärte immerhin sein Bedauern – dass die Aufnahme an die Öffentlichkeit geraten sei. Der Rumänische Rat für die Bekämpfung von Diskriminierung rügte den Präsidenten für seine rassistische Äusserung.

Dan Chitic wird wohl kein Bedauern seitens des Präsidenten zu hören bekommen. Es sei denn, es taucht ein Video auf.

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