Saubere Chancen nutzen


Erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeit und Klimaschutz: Aus der Sicht von swisscleantech sind es Chancen für Unternehmen, nicht Kosten für die Volkswirtschaft. Der neue Wirtschaftsverband fordert, diese Chancen aktiv zu nutzen. Er legt eine Cleantechstrategie für die Schweiz vor.

Von Steffen Klatt, Zürich

Fünf Orte, drei Kontinente, eine Pressekonferenz: swisscleantech macht, was er fordert. Der Wirtschaftsverband nachhaltig orientierter Unternehmen, im vergangenen Dezember gegründet, hat dank der Infrastruktur seines Neumitglieds Cisco Schweiz seine Cleantechstrategie für die Schweiz ressourcenschonend vorgelegt.

Chancen statt Probleme

Eine wachsende Weltbevölkerung, ein zunehmendes Konsumniveau, Ressourcenmangel und Energieengpässe, solche Probleme drängen auf die politische wie auf die wirtschaftliche Tagesordnung. Sie müssen gelöst werden. „Swisscleantech steht dafür, Probleme als Chancen wahrzunehmen“, sagte sein Präsident Nick Beglinger am Freitag bei der Vorstellung der Strategie in Zürich. Gerade die Schweiz sei prädestiniert, die Chancen zu nutzen: So wettbewerbsfähig und innovativ sei kaum ein anderes Land. Es sei führend im öffentlichen Verkehr, beim Konsum von Biolebensmitteln und bei der Wiederverwertung von Papier, Glas und Plastikflaschen. Mit Minergie habe die Schweiz den national erfolgreichsten Standard nachhaltigen Bauens. Dagegen hapere es bei der wirtschaftlichen Nutzung dieser Stärken. „Es geht darum, die Schweiz international als Cleantech-Vorreiter zu positionieren“, sagte Beglinger. „Von Brüssel bis Beijing und Washington soll die Schweiz mit Cleantech

assoziiert werden“, fügte Chris Häuselmann in San Diego hinzu, der swisscleantech in den USA vertritt.

Griffige Klimapolitik

Unmittelbares politisches Ziel von swisscleantech ist es, in der Schweiz einen griffigen Klimaschutz zu verankern. Die Schweiz solle sich dazu verpflichten, den inländischen Kohlendioxid bis 2020 um 20 Prozent zu verringern und nicht nur um 10 Prozent, wie der Bundesrat vorschlägt. Der Nationalrat hat dem im Juni auch auf Druck von swisscleantech im Juni zugestimmt. Im Dezember berät der Ständerat darüber.

Aus der Sicht des Verbandes braucht es aber zusätzlich verstärkte – auch staatliche – Anstrengungen zur Förderung von Cleantech. Dazu gehört die Einrichtung einer zentralen Cleantecht-Anlaufstelle ebenso wie ein Informationsdienst, der einen Überblick über alle cleantechrelevanten Innovationen in der Schweiz gibt. Darüber hinaus sollten Cleantech-Innovationsparks eingerichtet werden. Ein möglicher Standort: der Militärflugplatz Dübendorf.

Mehr exportieren

In seiner Cleantechstrategie setzt der Verband auf eine Zusammenarbeit von Wirtschaft, Behörden und Forschungseinrichtungen. So ist es kein Zufall, dass Bundesrätin Doris Leuthard am Dienstag den Masterplan Cleantech vorlegen wird. Zur Ausarbeitung waren auch die Wirtschaftsverbände herangezogen worden, darunter swisscleantech.

Wie Cleantech zur Wirtschafts- wie zur Exportförderung beitragen kann, zeigt das Beispiel Singapur: Dort baut das Singapore ETH Center (SEC) ein Forschungszentrum für nachhaltige Stadtentwicklung auf, das im September gestartete Future Cities Laboratory. Eines der Projekte: Der Aufbau einer „Monte-Rosa-Hütte“ im Stadtstaat. Laut Remo Burkhard vom SEC solle wie in der Hochtechnologiehütte oberhalb Zermatt auch am Äquator ein fast energieautarkes Gebäude errichtet werden. Die Bedingungen sind entgegengesetzt, aber das Ziel ist das gleiche: Ressourceneffizienz. Das Future Cities Laboratory wird zu einem guten Teil von Singapur funktioniert.

Vorreiter der nachhaltigen Wirtschaft

Der Verband swisscleantech gehören inzwischen 150 Unternehmen von ABB über Ringier und den Personalvermittler Egon Zehnder bis zu kleineren und innovativen Unternehmen wie dem Leichtbetonhersteller Cobiax und Heiq an, das unter anderem Textilplanen zur Reinigung ölverseuchter Strände entwickelt hat. Er sieht sich als Vorreiter einer nachhaltigen Wirtschaft an, aber nicht als Gegner bestehender Verbände. Das wurde auch auf der anderen Seite registriert: economiesuisse hat swisscleantech wiederholt Avancen gemacht. Viel Ehre für einen Verband, der erst im vergangenen Dezember gegründet worden ist.

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