Raus mit der Genrübe


Bauern in den USA müssen genetisch veränderte Saaten von Zuckerrüben wieder herausreissen. Erstmals hat ein US-Bundesrichter Ausrottung von genetisch veränderten Setzlingen angeordnet. Die Rübensaaten stammen von Monsanto. Die US-Regierung hatte bereits grünes Licht für den Anbau gegeben.

Von John Dyer, Boston

Es ist eine Premiere in den Vereinigten Staaten: Ein Bundesrichter hat Bauern angeordnet, genetisch veränderte Saaten wieder auszureissen. Die Begründung von Richter Jeffrey White in San Francisco: Diese Saaten könnten der Umwelt schaden.

Regierung ignoriert Urteil

Mit seinem Entscheid von Ende November verschärft Richter White einen Streit mit dem US-Landwirtschaftsministerium und mit dem Agrarriesen Monsanto aus St. Louis, Missouri. Denn White hatte schon im August Monsanto angeordnet, den Anbau dieser Zuckerrübensorte aufzuschieben, und zwar überall in den USA. Doch Monsanto scherte sich nicht um die Anordnung des Richters aus Kalifornien. Dabei konnte es sich auf eine Zulassung des Landwirtschaftsministeriums stützen.

Richter White hatte schon im August seinen Entscheid damit begründet, dass die Regierung keine Studie über die Umweltfolgen des Anbaus genetisch veränderter Zuckerrüben durchgeführt hatte. Nun forderte er die Regierung auf, eine solche Umweltverträglichkeitsstudie nachzuholen.

Unerwünschte Umweltfolgen befürchtet

Das Verfahren in San Francisco war von Vertretern von Biobauern angestrengt worden. Sie zeigten sich empört über die Weigerung der Regierung, die Entscheidung von August zu respektieren. „Das Gericht hat angeordnet, dass die Rüben nicht angepflanzt werden dürfen, und die Regierung kümmert sich nicht darum und gibt stattdessen der Industrie grünes Licht“, sagt Paul Atchitoff, Anwalt von Earthjustice, derjenigen Organisation, die das Verfahren eingeleitet hatte.

Atchitoffs Argumente überzeugten jedenfalls den Richter. „Der wahrscheinliche Umweltschaden ist nicht zu reparieren“, schrieb der Richter in der Begründung seiner Anordnung, die Pflanzen wieder auszureissen. Genetisch modifizierte Pflanzen würden ungewünschte Folgen für andere Pflanzen und das ganze Ökosystem haben.

Monsanto und Minister gegen Richter

Sowohl die Regierung als auch Monsanto dürften Berufung einlegen. „Das Gericht hat die klare Beweislage ignoriert, dass diese Pflanzen der Umwelt keinen Schaden zufügen. Das Urteil widerspricht zudem den geltenden Gesetzen“, sagte David Snively, Jurist von Monsanto.

Auch US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack kritisierte die Entscheidung des Richters. Es sei nicht fair, wenn ein einzelner Richter entscheiden dürften, was Bauern anbauen dürften und was nicht. Auch wenn die Vertreter der Biobauern mit der Einleitung des Verfahrens in gutem Glauben gehandelt hätten, so könnte das Verfahren doch die biotechnische Forschung bremsen – und das in einer Zeit, in der dieser Bereich zu einer Quelle von Innovation und Arbeitsplätzen würde. „Wir müssen einen Weg finden, damit beide Seiten miteinander leben können: diejenigen, die Biotechnologie betreiben wollen und diejenigen, die biologische Landwirtschaft betreiben wollen.“

Hälfte des Zuckers betroffen

Laut dem Landwirtschaftsministerium könnte eine Umweltverträglichkeitsprüfung bis Mitte 2012 dauern. Damit würden sowohl die bereits gepflanzten als auch die noch ungepflanzten Setzlinge in einem juristischen Niemandsland stecken. Derzeit werden auf 400.000 Hektaren genetisch veränderte Zuckerrüben angebaut, vor allem in den Bundesstaaten Idaho, Minnesota und North Dakota. Sie sichern die Hälfte der US-Zuckerversorgung.

Die Setzlinge, die nun zerstört werden müssten, würden im nächsten Jahr Samen ergeben, aus denen dann die Rüben für die Ernte 2012 wüchsen. Die fraglichen Setzlinge wurden genetisch so modifiziert, dass sie Roundup widerstehen, dem universalen Unkrautvernichtungsmittel Monsantos.

Markt fürchtet Preisanstieg

Die US-Regierung hat in den vergangenen Jahren den Anbau genetisch veränderter Pflanzen gefördert. Erst lockerte der damalige Präsident George W. Bush die Regeln für den Anbau. Monsanto vermochte den Löwenanteil des neuen Marktes zu erringen. Im Juni erteilte das Oberste Gericht dem Landwirtschaftsministerium das Recht, Unternehmen die Genehmigung für den Anbau genetisch veränderter Pflanzen zu erteilen.

Nun sind die Bauern verunsichert. „Es ist ziemlich schwierig zu planen“, sagt Ric Rodriguez, Rübenbauer in Wyoming. „Alle sind nervös.“

Das könnte bald Folgen für den Rübenpreis haben, mit Folgen für alle Wirtschaftszweige, die auf Zucker als Rohstoff angewiesen sind. „Die Entscheidung könnte einen extrem wichtigen Einfluss auf den Markt haben“, sagt Frank Jenkins, Chef der Handelsgruppe Jenkins Sugar Group. „Das Landwirtschaftsministerium müsste rechtzeitig Importe zulassen. Sonst sehen wir Preise, die so hoch sein werden wie nie zuvor.“

Tags: ,

One Response to “Raus mit der Genrübe”

  1. jdoute 5 décembre 2010 at 18:05 #

    Das US-Landwirtschaftsministerium und der Agrarriesen Monsanto sind eine total korrupte Bande.
    Man könnte da schon von kriminellen Machenschaften reden.
    Firmen wie Monsanto müssen ganz und defintif aus dem Verkehr gezogen werden.
    Es ist fast schon zu spät. Man sieht die verheerenden Folgen zum Beispiel mit dem Baumwollanbau in Indien.
    Dazu gibt es einen ausgezeichneten Dokumentarfilm, hier :

    http://video.google.com/videoplay?docid=-7781121501979693623#

Mentions légales - Autorenrechte

Les droits d'utilisation des textes sur www.lameduse.ch restent propriété des auteurs, à moins qu'il n'en soit fait mention autrement. Les textes ne peuvent pas être copiés ou utilisés à des fins commerciales sans l'assentiment des auteurs.

Die Autorenrechte an den Texten auf www.lameduse.ch liegen bei den Autoren, falls dies nicht anders vermerkt ist. Die Texte dûrfen ohne die ausdrûckliche Zustimmung der Autoren nicht kopiert oder fûr kommerzielle Zwecke gebraucht werden.