Zurück in die City


Die UBS verliert in den USA Mitarbeiter an ihre Konkurrenten. Das hat mit niedrigeren Boni zu tun, aber auch mit ihrem Hauptquartier: Der Vorort Stamford ist für junge Banker nicht mehr attraktiv. Nun will die UBS mit 2000 Bankern zurück nach Manhattan.

Von John Dyer, Boston

Die UBS hat den Absturz nur knapp überlebt. Erst hat sie in der Finanzkrise so hohe Verluste erlitten wie keine andere Bank ausserhalb der USA. Dann zwangen die US-Behörden sie in ihrer Jagd auf Steuerhinterzieher zur Preisgabe des Bankgeheimnisses. Auf beides reagierte die Schweizer Grossbank, indem sie massiv abspeckte.

UBS hat an Anziehungskraft verloren

Und nun ist ihr Hauptquartier in den USA zu gross und zu wenig attraktiv für ihre Mitarbeiter. Die geschrumpfte UBS prüft daher, es aus Stamford im Bundesstaat Connecticut zurück nach Manhattan zu verlegen. Die Bank war vor anderthalb Jahrzehnten in rund 55 Kilometer vom Zentrum New Yorks gelegenen Vorort gezogen, in einen riesigen Neubau mit 65000 Quadratmetern Bürofläche. Der Handelssaal ist einer der grössten der Welt.

Das Problem: Stamford ist für potentielle Mitarbeiter nicht interessant. Junge Bankangestellte wollen in trendigen New Yorker Vierteln wie Greenwich Village und Brooklyn leben, nicht in Einfamilienhäusern an baumbewachsenen Alleen in irgendeiner Kleinstadt in Neu-England. Es ist auch sonst weniger schick, für die UBS zu arbeiten. Noch vor einem halben Jahrzehnt war sie noch die fünftgrösste Bank der Welt. Inzwischen ist sie auf Rang neun gefallen. In Stamford arbeiten noch 3000 Mitarbeiter, 1000 weniger als vor der Krise.

Die sinkende Attraktivität hat auch mit Geld zu tun. Als Folge der Krise hat die UBS sowohl 2008 als auch 2009 weniger Boni gezahlt als in der Branche üblich. Als europäische Bank kann sie auch nicht Boni in Form von Bargeld über ein Jahr hinaus garantieren, wie dies ihre Konkurrenten in den USA und Asien tun. Die Konkurrenz nutzt das aus. Citibank und andere US-Finanzinstitutionen haben UBS-Mitarbeiter mit dem Angebot höherer Löhne abgeworben. Mit dem Umzug nach Manhattan versucht die UBS, ihre Attraktivität wieder zu erhöhen.

Stamford leert sich

Das ist ein harter Schlag für Stamford. Die Stadt hat in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich versucht, zu einem kleinen Finanzzentrum vor den Toren New Yorks zu werden. Ausser der UBS kam etwa auch die Royal Bank of Scotland in die Stadt. Ihr ehemaliger Bürgermeister, Dannel Malloy, wurde dank dieser Erfolge sogar Gouverneur des Bundessstaats.

Nun hat sich das Glück gewendet. Ein Viertel der Bürofläche Stamfords steht leer. Gouverneur Malloy musste Einkommens- und Umsatzsteuern erhöhen, um das Haushaltsdefizit zu decken – und verärgerte so die Wirtschaft seines Staates. Mit dem Wegzug der UBS verschärfen sich die Probleme Stamfords und Connecticuts.

Nicht alle in Stamford verstehen das. „Das macht doch keinen Sinn“, sagt Danny Ryan, Kellner in Morton’s The Steakhouse zur „New York Times“. „Warum sollten sie erst so ein riesiges Gebäude bauen und dann wieder gehen?“ Die Antwort gibt ihm Jon Gimpel, einer der UBS-Mitarbeiter. „Ich lebe in Manhattan. Allein die Zugfahrt dauert 45 Minuten, und dann muss ich noch mit dem Rad quer durch den Central Park fahren, um nach Hause zu kommen. Ich spare 300 Dollar pro Monat, wenn die UBS umzieht – und viel Stress.“

New York freut sich auf die UBS

Laut der New York Times erwägt die UBS, in den 80 Stockwerke hohen Wolkenkratzer zu ziehen, der anstelle des World Trade Centers gebaut wird. Hier sollen 2000 Mitarbeiter arbeiten. Laut UBS-Sprecher Christiaan Brakman könnte das Unternehmen einige Mitarbeiter in Stamford belassen. „Wir wissen es noch nicht.“

Der Umzug dürfte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg freuen. Er will die Stadt für junge, kreative Leute attraktiv machen. „Ein zentraler Baustein der Wirtschaftsstrategie des Bürgermeisters ist es, New York zu einem Ort zu machen, wo die Leute hinweollen“, sagt sein Stellvertreter Robert Steel. „Mehr als je zuvor ist New York der ideale Standort von Unternehmen wie der UBS, die talentierte, motivierte Beschäftigte anziehen wollen.“

 

 

 

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