Wenig Druck auf US-Windrädern


Schon vor der Ölkatastrophe ist in den USA die Erkenntnis gewachsen, dass die Nutzung erneuerbarer auch ein gutes Geschäft ist. Es entstehen immer mehr Windparks, auch vor den Küsten. Abschreckend wirken die hohen Investitionskosten.

Von John Dyer, Boston

Die Amerikaner wollen erneuerbare Energien nutzen, aber nicht in ihrer unmittelbaren Nähe. Und sie scheuen die hohen Kosten, die die Umstellung von der bisher dominanten Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Öl erfordert. Eine öffentliche Anhörung zum Projekt eines gigantischen Windparks vor Nantucket Island im Bundesstaat Massachusetts hat das Dilemma deutlich gemacht.

Abgeschreckt durch hohe Kosten

130 Windturbinen sollen hier entstehen. Die Bundesregierung in Washington hat das Projekt im April genehmigt und die Staatsregierung von Massachusetts hat den Energieversorgern aufgegeben, bis 2030 sicherzustellen, dass 25 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen kommt wie Wind, Sonnenkraftwerken oder Biotreibstoffen. An der Anhörung nahmen mehr als 100 direkt betroffene Bürger und Geschäftsleute teil. Sie hatten lange Zeit, sich darauf vorzubereiten, denn die Windanlage ist seit zehn Jahren im Gespräch. Ebenso alt ist die Kritik, dass die Windräder die wegen ihrer tollen Ausblicke aufs Meer bei Touristen berühmte Küste verschandeln wurden und, dass der Strom aus Wind viel teurer werde als der jetzt aus Kohlekraftwerken bezogene. „Sagen Sie mir genau, was das in den nächsten 15 Jahren für meine Schule, meine Feuerwache, mein Geschäft bedeutet“, rief Peter Kenney. „Wir könne uns das nicht leisten. Jeder, der mit Cape Wind-Strom zu tun hat, wird Geld verlieren.“

Massachusetts ist überall

Die Anhörung von Massachusetts ist typisch und wiederholt sich überall in Amerika. Auch wenn die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko überdeutlich macht, wie teuer die fossilen Brennstoffe kommen können und die Amerikaner mehrheitlich auch akzeptieren, dass ihre Abhängigkeit vom Energie-Import verringert werden muss, sind doch wenige bereit, für die Einführung der erneuerbaren Energien Geld auszugeben. Selbst, wenn durch die Wende zu „grünen Energien“ dringend benötigte Arbeitsplätze geschaffen werden.

Das Kostenargument hat die Umweltdebatte fast zum Schweigen gebracht, etwa bei der Behandlung des von Präsident Barack Obama vorgelegten Klimaschutzgesetzes, das den Wandel zu mehr Nutzung erneuerbarer Energien vorsieht. Es steckt derzeit im Senat fest. „Mit dieser Wende sind Kosten verbunden und es gibt jene, die glauben, dass wir uns diese Kosten gerade jetzt nicht leisten können“, sagte Obama in seiner Rede zu Ölkatastrophe und Energiewende am Dienstagabend. „Ich sage, wir können es uns nicht länger leisten, nicht zu ändern, wie wir unsere Energie gewinnen und nutzen. Denn die langfristigen Kosten für unsere Wirtschaft, unsere nationale Sicherheit und unsere Umwelt wäre sehr viel größer.“

Obama habe für seinen Vorstoß den richtigen Zeitpunkt gewählt, sagte Energie-Analyst Jason Grumet vom überparteilichen Policy Center in Washington. Viele Meilen verschmutzter Strände, Massensterben von Wildtieren und der Verlust tausender Arbeitsplätze seien vielleicht der einzige Weg, die Amerikaner von ihrer Treue zu den fossilen Energien abzubringen, meinte Grumet. Jetzt gebe es eine Gelegenheit, durch Verteuerung von Kohle und Öl zu Reduzierung der Treibhausgase zu gelangen.

Nur acht Prozent „grüner“ Strom

Erneuerbare Energien machten im vergangenen Jahr weniger als acht Prozent des US-Stromverbrauchs aus, berichtet die US-Energiebehörde. Atomkraft bringt ebenfalls acht Prozent, der Rest wird durch Verbrennung fossiler Energieträger erzeugt.

Bei den Erneuerbaren kommt rund ein Drittel aus Wasserkraft, 20 Prozent aus Holz und zehn Prozent aus Biotreibstoffen. Wind, Müllverbrennung, Erdwärme und Solarenergie machen insgesamt weniger als 20 Prozent der erneuerbaren Energien oder weniger als zwei Prozent des gesamten Energieverbrauchs in den USA aus.

Die niedrigen Zahlen zeigen, wie zögerlich man bei Investitionen in „grüne“ Energie ist. In Massachusetts soll für das Cape Wind Projekt ein drei Milliarden Dollar-Vertrag mit National Grid, einem der größten Energieversorger in den USA, geschlossen werden. Aber das wird dauern, wie andernorts. „Wir haben eine gewaltige Lücke bei den erneuerbaren Energien“, sagt Ron Gerwatowski, Berater von National Grid. Auch im Energie-Mix mit dem Windkraftprojekt von Massachusetts bliebe eine Lücke.

Selbst für Biotreibstoffe gibt es wenige Investoren, obwohl die USA da zu den führenden Nationen gehören. Ein unter der Regierung von Präsident George W. Bush eingeführtes Gesetz mit steuerlichen Anreizen für die Produktion und Nutzung von Biodiesel ist im vergangenen Jahr ausgelaufen. Laut einer Umfrage der Stanford Universität befürworten 84 Prozent der Befragten, die Wiedereinführung von Steueranreizen für die erneuerbaren Energien.

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