Putins demonstrieren Eintracht


Wie einst die Heilige Familie, so präsentierten sich jetzt auch die Putins bei der Volkszählung. Statt der heiligen drei Könige kamen nun ausgesuchte Kreml-Journalisten zur Anbetung. Die frohe Botschaft: Wladimir und Ljudmilla sind noch zusammen.

Von Axel Eichholz, Moskau

Das Ehepaar Putin bot ein Bild der Eintracht: Beide in beige und zum Kummer der anwesenden Fotografen und Fernsehteams auf einem Sofa von derselben Farbe sitzend. Ludmila und Wladimir Putin hatten sich seit gut einem Jahr zusammen in der Öffentlichkeit nicht sehen lassen, was Gerüchten über deren angebliche Trennung den Auftrieb gab. Am vergangenen Samstag stellten sie sich in ihrer Residenz Nowo-Ogarjowo Fragen der seit vergangener Woche laufenden Volkszählung. Diese bot dem Regierungschef die beste Gelegenheit, jenen bösartigen Gerüchten entgegen zu treten. Die Fragen waren jedenfalls dazu angetan. Wie bei dem Treffen zugelassene Journalisten des so genannten Kreml-Pools berichten, wirkte Ludmila Putina anfangs etwas verklemmt.

Ehefrau Nummer Eins oder Zwei?

Die beiden bestätigten einmütig, dass sie einen gemeinsamen Haushalt betreiben. Wladimir Putin wurde als Familienoberhaupt in die Liste aufgenommen, Ludmila als Ehefrau. „Ehefrau, welche Nummer?“, fragte die zählende Kollegin vom Statistikamt. „Wieso?“, fragte Frau Putina entgeistert zurück. Vor zwei Jahren hatte es Gerüchte gegeben, ihr Mann habe sie verlassen und lebe mit der mehrfachen Turnwelt- und Olympiameisterin Alina Kabajewa zusammen. Die Lokalzeitung „Moskauer Korrespondent“, die diese Nachricht verbreitet hatte, wurde geschlossen. Kabajewa dementierte indigniert, brachte aber sieben Monate später einen Jungen zur Welt. Die Frage der Vaterschaft blieb bis heute ungeklärt.

Ludmila Putina lachte Tränen

Sie habe Wladimir Putin als Nummer Eins auf die Liste gesetzt, erläuterte die Kollegin. Manchmal würden aber Ehefrauen auf ihrem Vorrang innerhalb der Familie bestehen. Daher die Frage. Es waren lauter Routinefragen. Anwesende Journalisten hätten sich diese aber nie leisten können und beneideten die Zählerin darum. Niemand von ihnen wäre etwa auf die Idee gekommen, den Regierungschef nach seinem Namen zu fragen. „Koni ist die Nummer eins“, warf Putin lachend ein. Seine Labradorhündin lag unverdrossen auf dem Sofa neben ihm. Sie schien die Blitzlichter und das Klicken der Kameras zu genießen. Als der Premier nach seinem Geschlecht gefragt wurde, schien seine Frau zu platzen, lachte dann Tränen und war längere Zeit nicht zu beruhigen. Angesichts der erwähnten Gerüchte wirkten etwaige Zweifel an seiner Männlichkeit offenbar deplaziert.

Vor lauter Arbeit keine Zeit für Gattin

Vorige Woche hatte Putins Pressesprecher Dmitri Peskow die Gerüchte um dessen angebliche Scheidung in einem Reuters-Interview offiziell dementiert. Die Tatsache, dass der Premier zusammen mit seiner Gattin nur selten in der Öffentlichkeit erscheine, sei auf sein äußerst angespanntes Arbeitsprogramm zurückzuführen, sagte er. In der Ex-UdSSR wurde auf das „moralische Erscheinungsbild“ eines Staatsbeamten genau geachtet. Eine feste Ehe galt als Garantie gegen ideologisches Ausscheren oder Abspringen. Wer ins Ausland ging, musste verheiratet sein. Oft blieben Eheleute nach ihrer faktischen Trennung zusammen, um nicht die Karriere eines der Partner zu gefährden. Diese Einstellung wurde weitgehend auch von der postsowjetischen Gesellschaft übernommen. Das gemeinsame Dementi der Putin-Familie wiegt deshalb nicht allzu schwer.

Die Ähnlichkeit zur Heiligen Familie dagegen dürfte den Putins entgangen sein: Josef war mit seiner schwangeren Frau Maria nach Bethlehem zur Volkszählung gereist. Das Kind war nicht von ihm, aber er kaschierte das treu.

Volkszählung ein Nichtereignis

Was die Volkszählung selbst angeht, so ist sie eher unter Nichtereignisse einzustufen. Die Regierung hatte sogar erwogen, sie nach die Duma- und Präsidentschaftswahlen zu verlegen. Im Vorfeld der Wahlen liegt der Verdacht nahe, dass die Zahlen im Sinne des Kremls geschönt werden könnten. Auch die Zuverlässigkeit der Aussagen wird allgemein bezweifelt. Obwohl von offizieller Seite versichert wird, dass die gewonnenen Angaben anonym bleiben und nur für Statistikzwecke benutzt werden sollen, haben besonders illegale Einwanderer und Schwarzarbeiter Bedenken. Sie können auf jahrzehntelange einschlägige Erfahrung zurückblicken.

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