Costolo soll Dollars herbeizwitschern


Das Kommunikationsnetzwerk Twitter hat zwar einen grossen Erfolg. Aber Twitter verdient noch kein Geld. Das soll sich ändern. Nun bekommt es einen neuen Chef. Gründer Evan Williams konzentriert sich auf die Produktstrategie.

Von John Dyer, Boston

Twitter hat Erfolg. Das Kommunikationsnetzwerk mit dem hübschen Namen „Zwitschern“ hat die Zahl seiner registrierten Benutzer weltweit explosionsartig ausgeweitet. Heute sind es 165 Millionen. Dennoch verdient Twitter bisher kein – oder zu wenig – Geld. Firmenboss und Mitbegründer Evan Williams hat die Konsequenzen gezogen. Er gibt die Leitung von Twitter ab und macht Platz für Dick Costolo, einen erfahrenen Internetdienst-Manager, der das gesamte Unternehmen in die Gewinnzone führen soll.

Schwerpunkt Produktentwicklung

Williams will sich in Zukunft ganz der Pflege der Produktstrategie widmen. Das ist auch nötig, denn erst vor kurzem musste der Gigant der Kurzmitteilungen, wie Twitter umschrieben werden kann, sein so genanntes Werbekonto Earlybird schließen. Williams selber gab die Neubesetzung der Firmenspitze in seinem Blog auf Twitter bekannt. Und er brach dabei mit der Grundregel, dass Mitteilungen – die „tweets“ – nicht länger sein dürfen als 140 Zeichen. Williams brauchte volle 2.230 Anschläge, um zu erklären, dass Grösse allein nicht alles ist. „Erfolg bedeutet für uns, unser Potential als profitables Unternehmen auszuschöpfen, das fähig ist, seine Kultur und seine Benutzerphilosophie zu verteidigen und dabei eine positive Wirkung in der Welt zu entfalten“, schrieb Williams. „Das ist keine leichte Aufgabe. Ich beginne heute damit und ich werde mit ganz auf die Produktstrategie konzentrieren.“

Explosionsartige Ausweitung

Der Führungswechsel bedeutet den tiefsten Einschnitt in der vierjährigen Firmengeschichte. Damals hatten Williams und andere die Idee, sich auf Facebook und My Space quasi als Huckepack-Angebot draufzusetzen und einen Dienst anzubieten, der dem Benutzer nur die kurze Mitteilung von 140 Zeichen gestattet. Die Idee funktionierte, Facebook-Kunden stiegen auf Twitter um. In seinem Blog vom Montag nennt Williams die Erfolgszahlen. Das in San Francisco ansässige Unternehmen beschäftigt heute 300 Mitarbeiter gegenüber nur 20, als Williams vor mehr als zwei Jahren als CEO antrat. Damals wurden pro Tag 1,25 Millionen „tweets“ verbreitet. Heute sind es täglich mehr als 90 Millionen. Die Zahl der registrierten Benutzer ist von den drei Millionen vor zwei Jahren auf 165 Millionen geklettert. „Twitter läuft gut“, schrieb Williams.

Die Webseite ist zu einer festen Einrichtung im amerikanischen Leben geworden, wo Prominente – von Politikern wie Sarah Palin bis zu Rockstars wie Courtney Love – ihre Fan-Gemeinde mit knackigen Tea Party-Parolen ansprechen oder mit knackigen Ansichten der mehr oder minder unbekleideten Rock-Lady.

Bloggen und twittern ist aus dem Kommunikationsleben in den vereinigten Staaten nicht mehr wegzudenken.

Costolo hat Erfahrung

Wachstum allein sei aber nicht genug, warnte Williams in seinem „super-tweet“. Er will erreichen, dass Twitter zu einer Plattform wird für Profite. Mit dem Gewinn können dann Übernahmeattacken von Internetgiganten wie Google abgewehrt werden. Es heißt, Twitter könnte an die Börse gehen, aber es gibt nichts Konkretes dazu, denn das Unternehmen ist zu hundert Prozent in Privatbesitz. „Die Chance, die ein so rasches Wachstum einer Organisation gibt, sind vielfältig“, schrieb Williams. „Aber groß zu werden ist allein noch kein Erfolg“.

Der neue Chef Dick Costolo ist der erste Firmenboss bei Twitter, der nicht zu den Gründern gehört. Williams hatte 2007 von Mitbegründer Jack Dorsey übernommen, der heute im Aufsichtsrat sitzt. Er muss viel Könne beweisen. Denn Williams und Dorsey gehören zu den sprichwörtlichen Helden von Silicon Valley. Williams hatte mit dem Dienst „Blogger“ 2003 auch den „blog“ erfunden.

Werbe-Tweets sollen Geld bringen

Costolo aber hat schon gezeigt, dass er mit den ganz Grossen der Branche mitspielen kann. Er hat den Blog-Dienstleister FeedBurner gegründet, mit dem der Blog-Verkehr im Internet gemessen werden kann. FeedBurner gehört inzwischen zu Google. Der Verkauf soll Costolo 100 Millionen Dollar eingebracht haben.

Als erster Schritt in Richtung Gewinnerzielung gab das Unternehmen de Ausweitung des Angebots an so genanten Promoted Tweets bekannt. Dies sind Werbeformen, bei denen in die normalen Tweets Inhalte mit gezielter, für den jeweiligen Benutzer interessanter Werbung eingebaut werden. Wie Twitter-Sprecherin Carolyn Penner mitteilte, trägt Twitter dafür Sorge, dass die Clicks der Benutzer auf die „gesponserte“ Mitteilung ausgewertet wird und der Werbe-Blog dann zielgerichtet weitergegeben wird.

Der erste Schritt in Richtung Profit ist damit gemacht und könnte den Flop ausgleichen, den Twitter bei der Zusammenarbeit mit Google und Bing eingefahren hat. Der Versuch, Twitter-Tweets mit den passenden Suchergebnissen zu präsentieren, ist quasi verpufft.

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