Ein Zeichen der Verzweiflung


Das ist viel Geld: Microsoft zahlt 8,5 Milliarden Dollar für ein Unternehmen, das kein Geld verdient. Skype hat zwar eine tolle Technologie und viele Nutzer, aber kaum zahlende Kunden. Wer über Skype telefoniert, will kein Geld ausgeben.

VON JOHN DYER, BOSTON

Skype verliert Geld. Das musste selbst Ebay einsehen. Der globale Flohmarkt hatte den Internettelefonierer vor vier Jahren gekauft – um ihn zwei Jahre später wieder fallenzulassen. Doch wenn selbst ein Unternehmen wie Ebay, das über eine so grosse und so eifrige Kundenbasis verfügt, mit Skype kein Geld verdienen konnte, wie soll dies dann Microsoft gelingen? Es ist nicht zu erkennen, wie Microsoft mit Skype auf Aufholjagd gehen kann, um seine zwei davongeeilten Rivalen Apple und Google einzuholen.

Microsoft ist noch immer ein starker Mitspieler im Bereich der Software. Aber das Unternehmen hat erst das Internet und dann die Mobilkommunikation verschlafen.

Der lange verlachte Rivale Apple ist in der Achtung der Konsumenten an Microsoft vorbeigezogen. Seine iPods, iTunes und iPhones sind Kult geworden. Google kontrolliert 65 Prozent aller Internetsuchen. Sein Android-System bedrängt Apples iPhone.

Microsoft-Chef Steve Ballmer hofft verzweifelt, dass ihn Skype zumindest in die Gegenwart des Internets trägt.

Die Verzweiflung der Einen ist das Glück der Anderen. Für Ebay als Minderheitsaktionär wie für die wie für die übrigen Aktionäre – Risikokapitalisten, Pensionsfonds und andere – ist der Verkauf ein gutes Geschäft. Denn die goldenen Zeiten, als Börsengänge die Haupteinnahmequelle für US-Technologiefirmen gewesen waren, sind inzwischen vorbei. Der Goldregen ist versiegt. Das soziale Netzwerk LinkedIn ist gerade mal 3 Milliarden Dollar wert – und würde doch viel mehr verlangen wollen, wenn jemand es kaufen wollte.

Auch Skype ist lange auf der Suche nach Käufern gewesen. Im vergangenen Sommer wollte es sich für 6 Milliarden Dollar an die Brust von Google werfen oder wer sonst noch Lust gehabt hätte. Es hatte niemand Lust. Jetzt hat Skype den Goldesel gefunden. Die bisherigen Skype-Eigner nehmen das Gold. Zurück bleibt der Esel.

 

 

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